Die Kindertagesstätte Arche Noah

Ermutigungswort für den Sonntag Lätare - 14. März 2021 von Pfarrerin Ute Meerheimb

Votum:
Im Namen der Liebe, die uns trägt.
Im Namen der Hoffnung, die in allem Leid lebendig bleibt.
Und im Namen der Kraft, die uns immer wieder nahe sein will, die uns anrührt und uns stärkt.

Liebe Leserin, lieber Leser,                                                                           
vor genau einem Jahr sind wir in den ersten Lockdown gegangen. Ich habe damals gedacht: Spätestens im Sommer kehren wir wieder zur „Normalität“ zurück. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Zum Jahreswechsel war mein Gedanke: Wenn erst alle geimpft sind, dann……
Ja, ich sehne den Tag herbei, an dem sowohl mein privates Leben als auch die gemeindlichen Aktivitäten nicht mehr von Einschränkungen bestimmt werden, Abstand und besondere Hygieneregeln nicht mehr notwendig sind. Natürlich ich weiß: das Virus ist da und wird bleiben. Das Leben nach der Pandemie wird ein anderes sein. Viel ist erreicht: ­Testungen, Impfstoffe – was für ein Segen. Auch wirksame Medikamente gegen Corona wird es hoffentlich bald geben. Was wir zum Schutz des Lebens tun können, tun wir. Gleichzeitig gilt: Es wird dennoch Menschen geben, die sich mit dem Virus infizieren, die daran erkranken, die daran sterben.
Leiden und Sterben gehören zu unserem Leben dazu. Wir begehen die Passions-, die Leidenszeit, auch in diesem Jahr in Zeiten der Pandemie. Und erleben Pandemie in Zeiten der Passion.
Vom Kirchenjahr her gesehen befinden wir uns mitten in der Passionszeit: drei Wochen liegen hinter uns, drei Wochen sind es noch bis zum Osterfest. Und mittendrin der Sonntag „Lätare“, übersetzt: Freuet euch. „Klein Ostern“ wird dieser Sonntag auch genannt. Denn schon in der „Leidenszeit“ lässt er wenig von der österlichen Freude aufscheinen. Die Texte, Lieder und Gebete dieses Tages machen deutlich: Gott kennt unser Leid. Gott nimmt das auf sich. Und verheißt uns trotzdem Hoffnung.
Der Wochenspruch drückt diese Spannung mit einem anschaulichen Bild aus: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Johannes 12,24)
Jesus sagt diese Worte, bevor er in Jerusalem seinem Leiden und Sterben entgegen geht. Er wird verraten und von allen Freunden verlassen werden. Einen fairen Prozess wird es nicht geben. Sondern Jesus wird demütigt, gefoltert und schließlich getötet werden. Jesus ist bewusst: Er wird ganz unten sein. Ganz allein. Und sterben. Er erlebt Angst und Alleinsein ist, aber er weiß auch, was Hingabe und Liebe bedeuten. Trotz des bevorstehenden Leids schaut Jesus zuversichtlich nach vorn. „Wenn das Weizenkorn aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Das Korn liegt allein, tief unten in der Erde. Es vergeht, es löst sich auf, damit etwas Neues entsteht: Ein Keim, ein grüner Halm, schließlich eine Ähre voller neuer Körner. Es sind Viele.
Und sie leben! 
Am Sonntag Lätare gibt uns dieser Wochenspruch einen kleinen Vorgeschmack auf Ostern. Das Osterlicht deutet sich an, die Hoffnung wächst, dass das Leben siegt. „In dir ist Freude in allem Leide“ heißt es in einem alten Kirchenlied.
Solche Erfahrungen darf und durfte ich in der Corona-Krise immer wieder machen. Nachbarn, die einander helfen und trösten. Menschen, die sich als „Impfpaten“ zur Verfügung stellen, die Entwicklung neuer Kommunikationsformen. In vielen kleinen Mut machenden Zeichen entdecke ich: Da „lebt Liebe auf, die längst erstorben schien“. Nicht das Sterben hat das letzte Wort, sondern das Leben.
So bedeutet Pandemie in Zeiten der Passion für mich: Ich bin Leid und Schmerz nicht nur ausgeliefert, denn ich bin nicht allein. Ja, ich kann mein Leben auch mit Leid zuversichtlich gestalten, auch ein Leben mit Corona. Die Passionszeit eröffnet einen Perspektivwechsel. Nach dem Leid, nach Verzicht und Einschränkungen, nach viel Dunkelheit und Trauer wird es wieder helle und unbeschwerte Zeiten geben. So wie nach dem Regen Sonnenschein, nach dem Winter wieder Frühling kommt, so können wir Christen darauf vertrauen, dass sich letztendlich das Leben durchsetzt. Die Frühlingsboten im Garten, die grünenden Halme auf den Feldern zeugen davon: „Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.“ Ja, Gott ist ein Gott des Lebens. Darum stimme ich fröhlich in das heutige Motto ein: „Lätare“: Freuet euch.

Ute Meerheimb,
Pfarrerin der Stadtkirche im Kirchengemeindeverband Königslutter